Wolle und Frühling

Es wird wärmer, für viele ein Grund die Wollsachen mottensicher zu verstauen (ok, jetzt gerade sieht es nicht nach Wärme aus, bei diesem Dauerregen ist etwas Wolle ganz gemütlich). Oder dann endlich wieder im Freien zu stricken (gestern mittag gesehen am Tinguely Brunnen). Kleinere Projekte wie Socken oder aus dünner Wolle eignen sich dazu ganz. Auch mein Ravello kommt voran, nur ein Ärmel fehlt noch!

Ravello in der Feinen
Ravello in der Feinen

 

Aber Frühling ist auch die Zeit zum Schafe scheren und damit für die Wollverarbeitung

Schafschur_Engadiner_April_2015 3
Die Besitzerin schert ein Engadiner Schaf mit einer Schulklasse von Hand

 

Es gibt verschiedene Gründe, die Mühe auf sich zu nehmen, die Wolle selber zu verarbeiten (waschen, kardieren/kämmen, verspinnen):

  1. Auswahl der Wolle: Die Wolle einer Rasse kann von Schaf zu Schaf sehr unterschiedlich sein und grosse Wollverarbeiten müssen natürlich auch eine gewisse Menge verarbeiten und so kommt die Wolle von verschiedensten Schafen zusammen. Von Hand allerdings kann ich gezielt das/die Vliese sortieren und somit auch bei Schweizer Schafen eine gewisse Feinheit erreichen.
  2. Die Art der Vorbereitung. Pro Spezia Rara Wolle wird meist nur gekardet verkauft – wenn aber die Wolle eine gewisse Länge erreicht, kann es durchaus interessant sein, die Wolle zu kämmen.

Aber es ist zeitaufwändig – für mich ist dieses Jahr der Hauptgrund, dass bei Pro Spezia Rara einen Handspinnkurs (am 13. Juni) geben kann. Natürlich mit Wolle von  Pro Spezia Rara Schafen (Saaser Mutten, Walliser Landschafe, Engadiner Schafe, Spiegelschafe, Skudden und Bünder Oberländer). In diesem Kurs möchte ich neben der Einführung in das Spinnen mit der Handspindel auch vermitteln, dass die Wolle nicht nur zum Isolieren von Häusern oder bestenfalls noch zum Filzen verwendet werden kann, sondern durchaus auch Strickwolle hergestellt werden kann.

Dazu bin ich jetzt gerade am Herstellen von Mustern, die zeigen, wie sich die Spinnart auf die Garnqualität auswirkt. Hier mal erste Beispiele:

Spindel_PSR
Spiegelschafwolle mit der Handspindel versponnen (die braunen Vliese sind helle und dunkle Engadinerwolle)
Spiegelschaf_Muster 13
Spiegelschafwolle (kommerziell gekardet) mit der Handspindel gesponnen und verzwirnt: (von oben nach unten) 2-fädig ungewaschen, 2-fädig gewaschen, 3-fädig ungewaschen, 3-fädig gewaschen.
Spiegelschaf_Muster 19
2-fädiges Garn – mit eher etwas zuviel Drall verzwirnt. Das untere Strickmuster wurde nach dem Stricken noch gewaschen, es ist deutlich, das das Garn nochmals etwas „aufgeht“.
Spiegelschaf_Muster 21
3-fädiges Garn aus dem gleichen Einfachgarn, aber mit deutlich weniger Drall verzwirnt.

Es ist deutlich zu sehen, wie das 3-fädige Garn runder wirkt und natürlich auch regelmässiger. Es ist auch deutlich weicher, weil es mit weniger Drall verzwirnt wurde, dafür wirkt das Strickbild etwas weniger deutlich als v. a. im ungewaschenen 2-fädigen. (Aber so eine Strickjacke hätte ich gerne).

Da kam dieses Buch, The Spinners Book of Fleece von Beth Smith (auf englisch) gerade rechtzeitig. Ich finde es recht nützlich für EinsteigerInnen in die Wollverarbeitung. Die Wolle der von ihr vorgestellten Rassen werden in Kategorien eingeteilt und für alle die verschiedenen Verarbeitungsmethoden und die Eignung vorgestellt. Auch wenn die Pro Spezia Rara Rassen da nicht vorkommen, kann man die Locken vergleichen und sich die entsprechende Kategorie heraussuchen. Ausserdem werden Waschen, Kardieren, Flickkardieren und Kämmen in ausreichender Tiefe behandelt.

Frühling/Sommer ist aber auch Zeit zum Färben, nicht nur von unversponnener Wolle (die weisse Wolle der Spiegelschafe eignet sich natürlich hervorragend), Regula und ich sind auch daran, neue Färbungen zu entwickeln. Wir denken da an Streifen – und ihr? (Bilder folgen bald….)