Flicken, Stopfen oder Anstricken?

Eigentlich ist das der Januar Post. In der Online Guild, bei der ich Mitglied bin, ist Januar der Monat für die UFO (unfinished objects) Projekte, also die Zeit um angefangene Projekte fertigzumachen. Nicht wirklich ein angefangenes Projekt, aber schon länger hatte ich die Idee, mich mit meinen selbstgestrickten Socken zu beschäftigen, konkreter, mit denen, die langsam dünn werden.

Ich habe in der Schule noch gelernt, dass die Ferse unbedingt durch ein Fächtlein (dünner starker Nylonfaden, möglichst in der gleichen Farbe) verstärkt werden muss. Und wenn es reicht, auch die Zehen. Im Laufe der Zeit habe ich aber festgestellt, dass ich nie ein Loch in der Ferse habe (vielleicht wegen den Fächtli ), sondern dass die Socken am Fussballen dünn werden. Etwas so:

Was tun? Na klar. Stopfei raus und stopfen! Mmh. Nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Da ich meine Alltagssocken am liebsten von oben nach unten stricke, habe ich mir überlegt, dass ich ja einfach den Fussballen abschneiden und dann wieder anstricken kann. Wenn vorhanden, im gleichen Garn, sonst halt mit was anderem. Kein mühsames Stopfen und das sollte ja keine grosse Sache sein.

Abgeschnittene kaputte Sockenspitze

Ich habe also eine Masche aufgeschnitten und wollte dann einfach den Faden rausziehen, Maschen aufnehmen und schnell die Fussspitze neu stricken. Leider habe ich nicht damit gerechnet, dass durch das Tragen die Maschen v. a. an der Fusssohle leicht verfilzt waren. Was das batrennen der alten Spitze doch etwas langwieriger machte als ursprünglich gedacht. Nach etwas Geduldsarbeit hat es aber funktioniert.

Angestrickt: Die neue Spitze ist leicht dunkler..
Sozusagen nicht mehr sichtbar, dass diese Socken schon einige Jahr auf dem Buckel haben.

Für dieses paar Socken, bei dem beide Spitzen ersetzt werden musste, brauchte ich insgesamt 4 Abende vor einer Serie – also ca. 4-6h. (Solche Arbeiten mache ich immer abends – ich höre dann manchmal die Filme mehr, als ich sie sehe, aber dafür ist es unterhaltsamer). Das war jetzt etwas mehr Aufwand als angenommen. Und so dachte ich, ich mache einen Vergleich und stopfe das 2. Paar.

Gestopfte Stelle rechts am Aussenrist

Das ging tatsächlich etwas schneller (3 Abende), aber für die Socke, die überall dünn war, brauchte ich auch 2 Abende. Und das Ergebnis sieht natürlich deutlich weniger schön aus als das angestrickte Paar.

Die gestopften Stellen sind sichtbar, aber natürlich wäre es noch viel sichtbarer, wenn man ein anderes Garn genommen hätte.

Fazit:

  • Es lohnt sich, Restwolle aufzubewahren (ausser man setzt ein Statement mit Visible Mending)
  • Anstricken ist sozusagen unsichtbar (ausser wir möchten es anders!).
  • Stopfen geht deutlich schneller, wenn die dünne Stelle klar begrenzt ist. Und noch kein zu grosses Loch entstanden ist. Also eher früher mal zur Stopfnadel greifen…
  • Anstricken lohnt sich, wenn die Spitze rundherum dünn ist oder, wenn die Socken auch in der Länge leicht eingegangen sind.
  • Anstricken ist mühsam, wenn die Sohle vom Tragen sehr verfilzt ist -> Geduld und gutes Licht nötig
  • Socken, die von unten (Zehen) nach oben (Bund) gestrickt sind und ein Muster haben, müssen wahrscheinlich gestopft werden, ausser man nimmt in Kauf, dass man das Anstricken gut sieht.
  • In punkto Tragkomfort merke ich keinen Unterschied – ich hatte die Befürchtung, dass die Unebenheiten in der Dicke bei dem gestopften Paar beim Tragen spürbar werden.

Und: Beides geht deutlich schneller als ein komplett neues Paar stricken. Das mache ich natürlich trotzdem, aber da ich alle meine gestrickten Socken selber stricken muss darf, lohnt es sich für mich durchaus, auch mal ein Paar zu flicken.

Das also mein verspäteter Januarbeitrag. Der Februar stand/steht ganz im Zeichen der Vorbereitung zur Ateliereröffnung. Die findet am 3. und 4. März statt, jeweils von 11 – 16 Uhr. Wo? Atelier gesponnen & verstrickt, Mittlere Strasse 159, 4056 Basel. Wir freuen uns.

Und last but not least: der Kurs Was tun mit der Wolle am 10. März (und am 14. April) findet statt! Für Kurzentschlossene hat es noch wenige Plätze frei.