Alles Grün oder was?

Alles Grün

Längere Absenz hier, aber dafür schafft es Spinnen und Stricken immer öfter in die Öffentlichkeit, diesmal ins Fernsehen. So waren am letzten Donnerstag „Alles Spinner“ beim Aeschbacher – und angefangen hat die Sendung mit dem Porträt einer Handspinnerin, Esther von Siebenthal. Aeschbacher liess sich den ganzen Prozess der Angorawolle vom Kaninchen bis zum Garn zeigen, auch fertige Produkte wurden unterhaltsam präsentiert. Das Spinnrad allerdings stand unbenutzt herum 🙂

Es geht auch anders – Ingun Grimstad Klepp, Etnologin im staatlichen norwegischen Institut vom Verbrauchsforschung, trug nicht ein spannend aussehendes gestricktes Kleid, nein, sie nahm ihr Strickzeug mit in eine Sendung des norwegischen Fernsehens  und strickte während dem ganzen Gespräch. Zusammen mit Anne Britt Ylvisåker,  Konservatorin des Kunstmuseums in Bergen und Kristian Elster,  Journalist und passionierter Stricker diskutierte sie über das Stricken in Norwegen und zwar im historischen Zusammenhang (Der Titel des Sofagesprächs: 2 rechts und 1 links). Dabei kamen eine Menge Themen auf, hier ein paar Aussagen, die ich besonders interessant fand:

  • Es wurde diskutiert, wieso in Norwegen schon immer mehr gestrickt wurde/wird (das habe ich vor gut 15 Jahren auch erlebt – sehr viele, auf jeden Fall viel mehr Frauen jeden Alters haben gestrickt und v. a. gestrickte Kleider getragen) als z. B. in Dänemark, Schweden oder England (Shetland mal ausgenommen), resp. bekannter dafür ist, z. B. mit dem Marius Genser (Pullover) oder den Selbu Strickmustern.

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    «Mariusgenser» av JorebergEget verk. Lisensiert under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.

  • Die Erklärung von Ingun dazu:
    • die Wollindustrie war vorhanden und konnte nach dem 2. Weltkrieg auch wieder gutes Material liefern (während des Kriegs wurde Wolle aus Kleidern rezykliert – die war nicht von sehr guter Qualität), dasselbe galt für interessante Strickmuster.
    • Durch den Husfliden (regionale Zentren für Handarbeitsmaterial) waren auch gute Strickmuster vorhanden
    • Es gab gute und bekannte Designer
    • und zu guter Letzt, aber wahrscheinlich am wichtigsten: Stricken gehörte zum norwegischen „Friluftsliv“ (in die Natur gehen, in ein Ferienhaus, Ski fahren) und diese Aktivitäten, die auch warme Kleidung erfordern, wie auch die Kleidungsstücke selber wurden als etwas Nationales, als etwas Norwegisches angesehen. Analog zum guten Heimwerker gehörte es auch zum guten Ton, sich selber Kleidung stricken zu können
  • Neben dem neueren geschichtlichen Abriss (nach dem 2. Weltkrieg) wurde auch gesagt, dass es in Paris ein Strickzunft gab. Dass Stricken dann (in Europa) ein Frauenhandwerk wurde, ist Elisabeth 1. zu verdanken. Sie hat im 15. Jahrhundert ein Gesetz erlassen, dass Stricken auch erlaubt ist, ohne einer Zunft anzugehören. Dadurch durften Frauen auch stricken und ihre Ware verkaufen.
  • Interessant, wenn auch noch zu beweisen, fand ich die These, dass der jetzige Strickboom nicht nur ein Hype ist, sondern auch eine Reaktion auf die Tatsache, dass es sehr schwierig ist, fair und umweltgerechte Kleider zu kaufen. Ähnlich wie bei der Nahrung werden die KonsumentInnen bewusster, was sie tragen wollen und somit bekommen Kleider auch wieder einen neuen Wert. Mal sehen – uns würde es freuen [icon icon=icon-smile size=18px color=#000 ]

Aber genug der Theorie – und selbst wenn das Stricken heute völlig lustbetont ist, ich habe auf jeden Fall ein neues Projekt angefangen – nämlich diesen Pullover, natürlich aus unserer Wolle. Mein erster Pulli aus der Feinen, mal sehen ob ich das durchhalte.

Lust auf Frühlingsstricken? Noch ein Hinweis in eigener Sache: Am Samstag, 21. März sind wir wieder auf dem Matthäusmarkt. Wir freuen uns auf Besuch – wie immer im Frühling ist das Thema des Saisonmarkts Bärlauch – alles doch alles Grün?